Kommunikation > Nonverbale Kommunikation

 

So können Sie sich körperlich-mental auf eine schwierige Sitzung oder Präsentation vorbereiten

Autor: Simone Gehr

 

ProjektmanagerInnen sind regelmäßig in der Situation, ihr Projekt vor hochrangigem Publikum präsentieren zu müssen. Häufig haben sie es mit Managern, Politikern und Interessenvertretern zu tun, die ihre eigenen Vorstellungen haben, wie es laufen sollte. Kritische Nachfragen und harte Diskussionen bleiben nicht aus. Dementsprechend kann man als ProjektmanagerIn ganz schön nervös werden. Ein gewisses Maß an Anspannung ist wichtig, um wachsam und leistungsfähig zu sein, wenn es darauf ankommt. Wird sie aber zu groß, kann sie hinderlich sein. Dann kann es passieren, dass man seine "Message" nicht so rüberbringen kann, wie man es möchte.?ProjektleiterInnen müssen also irgendwie mit ihrer Anspannung klar kommen und einen Weg finden, sich und ihre Sache überzeugend zu präsentieren.

Eine gute fachliche Vorbereitung ist natürlich das A und O, aber es ist nicht alles. Auch wenn sich die Wissenschaftler streiten, ob es 93 % oder etwas weniger ist: ein Großteil der Kommunikation zwischen Menschen läuft non-verbal ab. Es kommt auf die Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmlage an und wie sie im Zusammenhang mit der Botschaft stehen.

Widerspricht die non-verbale Kommunikation dem Gesagten, macht sie den Sender der Nachricht unglaubwürdig. Wenn z. B. wenn ein Projektleiter erläutern würde "Ich bin mir sicher, dass wir den nächsten Termin halten" und dabei nervös an den Fingern zupft und zu Boden schaut, dann wäre ich mir als Auftraggeber nicht sicher, ob die Person der Sache gewachsen ist, denn mit dem Körper spricht er eine andere Sprache als mit den Worten.

Körper und Stimme können das Gesagte aber auch glaubhaft unterstreichen. Hervorragende Schauspieler erhalten einen Oscar, weil sie ihre Rolle so überzeugend spielen, dass sie damit die Herzen ihres Publikums berühren. Sie verstellen sich nicht sondern identifizieren sich mit ihrer Rolle und versetzen sich total in sie hinein.

Körperhaltung, Gedanken und Gefühle beeinflussen sich gegenseitig. In der Kognitionspsychologie spricht man vom "Embodiment Effekt": körperliche und mentale Prozesse im Gehirn sind unmittelbar miteinander verknüpft.

Wenn in wissenschaftlichen Studien zum Beispiel Probanden Aufgaben erledigen, in denen sie viel mit Wörtern wie "grau" oder "Falten" in Kontakt kommen, die Gedanken an das Alter implizieren, so kann man hinterher sehen, dass sich die StudienteilnehmerInnen körperlich langsamer fortbewegen. Anders herum konnten Probanden, die gezwungen waren, sehr langsam zu gehen, Wörter, die mit Alter zu tun hatten, viel besser wieder erkennen als Vergleichsgruppen.

 

 

Embodiment Effekt:

körperliche und mentale Prozesse im Gehirn sind miteinander verknüpft. Körperhaltung, Gedanken und Gefühle beeinflussen sich gegenseitig.

 

 

Für den (Projekt)Manageralltag heißt das: Wenn Sie sich selbst und Ihre Message überzeugend an Ihr Publikum rüberbringen wollen, dann müssen Sie körperlich ausstrahlen, dass Sie von sich und Ihrem Vorgehen überzeugt sind. Und dazu müssen Sie auch in Gedanken und Gefühlen absolut davon überzeugt sein.

Im stressigen Tagesgeschäft ist es häufig schwierig, sich in eine positive, überzeugte Stimmung zu bringen. Vor dem Meeting müssen noch schnell ein paar Folien geändert oder Abstimmungen in letzter Minute erledigt werden. Es gibt wenig Zeit und Gelegenheit, sich eine ausgiebige Auszeit zur inneren Vorbereitung zu gönnen.

Hier habe ich ein paar Tipps für Sie, wie Sie sich trotz Zeitnot mit einem Mini-Stimulations-Workout innerlich pushen können.

Der Embodiment Effekt funktioniert nicht nur in einer Richtung. Es ist nicht nur so, dass der Körper ausdrückt, was die Psyche fühlt, sondern Gefühle können durch den Körper stimuliert werden. Der Emotionsforscher Paul Ekman hat beispielsweise in mehreren Studien nachgewiesen, dass das Anspannen von bestimmten Gesichtsmuskeln zu einer bestimmten Grimasse wie z. B. Grinsen exakt das dazu passende Gefühl im Gehirn der Probanden erzeugt. Das heißt, dass beispielsweise ein echtes Glücksempfinden im Gehirn der Versuchsteilnehmer ausgelöst wurde, wenn sie ihre Mundwinkel zu einem Lächeln verzogen. Genau diesen Effekt können Sie für sich ausnutzen .

Übung 1 Freundliche Grundhaltung erzeugen

Suchen Sie sich vor Ihrem Meeting eine private Ecke für ein Mini-Stimulations-Workout. Es dauert nur wenige Minuten und sollte kurz vor dem wichtigen Anlass durchgeführt werden.

Beginnen Sie damit, dass Sie die Mundwinkel zu einem breiten Grinsen formen. Halten Sie das Grinsen ein paar Sekunden und entspannen Sie das Gesicht wieder. Wiederholen Sie die Übung ein paar mal. Die Gesichtsmuskulatur wird beweglicher. Mögliche Spannungen durch die Nervosität werden im Kieferbereich gelöst. Bewegen Sie den Unterkiefer ein paar Mal, um ihn extra zu lockern. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie stehen einem freundlichen Gesicht gegenüber. Lächeln Sie es ein paar mal an. Sie werden feststellen, dass Sie sich etwas freundlicher, positiver gestimmt fühlen. Diese Übung eignet sich auch bestens für zwischendurch im Aufzug (wenn Sie allein sind...).

Übung 2 In Siegerpose gehen

Nachdem Sie nun eine freundliche Grundhaltung haben, können Sie sich nun selbst in Siegerlaune bringen. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Spitzensportler, der gerade eben mit einem Weltrekord über die Ziellinie gekommen sind. Strecken Sie die Arme wiederholt nach oben wie in einer Siegerpose. Unterstreichen Sie das Gewinnergefühl durch ausgesprochene Worte wie "Yeah", "Spitze" oder ähnliches.


Bildquelle: Fotolia

Drehen Sie sich in der Siegerpose in alle Richtungen, damit alle imaginären Zuschauer sehen können, dass Sie der Champion sind.

Und jetzt stellen Sie sich einige Sekunden lang vor, wie die anstehende Sitzung endet, Sie den Raum verlassen und sich wie ein Sieger fühlen. Strecken Sie nochmal die Arme oder machen Sie die Beckerfaust. Diese Übung bewirkt, dass Sie sich größer und stärker empfinden und wird Sie unterstützen, selbstbewusst in den Termin zu gehen.

 

Literatur:
[1] Vgl. Paul Ekman, Facial expressions of emotions: New findings, new questions. Psychological Science (1992): S. 34-38

 

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